Die Kriegswagen der Hussiten

Die Streitmacht der Hussiten bestand aus mehreren Feldheeren. Jeder dieser Feldheere hatte eine Stärke von 4000 bis 7000 Mann. Laut Überlieferungen führte jedes der Feldheere etwa 300 Wagen, 360 Handfeuerwaffen, ca. 36 kleinere Geschütze und 6 größere Geschütze mit. Für größere Schlachten vereinigten sich die Feldheere mit den Heimatheeren, die aus den Städtischen Aufgeboten und den Kontingenten der Adeligen bestanden. Beim Feldzug 1428/29 gegen Meißen und Bayern bestand das Heer aus 2500 Wagen, 3000 Handfeuerwaffen, 300 kleineren Geschützen, 60 größeren Geschützen und 5 Belagerungsgeschützen.

Quelle: Trivium http://www.trivium-bernau.de
Autor: Holger Herzog

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Eine weitere Quelle nennt für die Wagen eine detailiertere Mannschaftsangabe:
Jeder Wagen wurde von 10 Pikenieren oder Männern mit Streitflegeln begleitet, die die Lücken zwischen den Wagen schützen sollten. Darüber hinaus waren 10 Bogenschützen, Männern mit Büchsen oder Armbrustschützen direkt im Wagen positioniert. 1) In verschiedenen Quellen wird die Besatzung der Wagen mit sehr vielen Männern (10-20) angegeben. Dies erscheint mir als zu hoch. Um auf dem Wagen kämpfen, bzw. schießen zu können braucht man etwas Platz. Laut Quellen waren die Kampfwagen etwa 5 m lang. Geht man von der Größe der Leiterwagen aus ergibt sich eine Grundfläche die kaum breiter als 60-80 cm ist. Somit dürften im Kampf kaum mehr als 6-7 Kämpfer auf einem Kampfwagen Platz gehabt haben. Es ist zu vermuten das sich die Angabe von 10-20 Mann pro Wagen auf die komplette Mannschaft eines Kampfwagen bezieht.
So wird in anderen Quellen 3) eine Wagenmannschaft wie folgt beschrieben:
– 2 Pferde-/Fuhrknechte
– 8 Büchsen- oder Armbrustschützen
– 2 Pavese-Schild-Knechte
– 8 Knechte mit Spießen, Sensen oder Kriegsflegeln bewaffnet „Flegler“

Jeder Wagen wurde mit 4 Pferden gezogen.

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Entstehung der Wagenburgen 2)
Zizka hatte die Goliaigorods (bewegliche Festung) der Russen gesehen. Diese nutzten sie, wenn sie auf dem Marsch angegriffen wurden; dabei wurden die Wagen, die das Heer begleiteten, im Kreis zu einer Barriere gegen die feindliche Reiterei angeordnet.
Zizka übernahm diese Taktik und verwendete hierfür zunächst alle verfügbaren Karren und Wagen. später ließ er speziell verstärkte Wagen bauen, die teilweise mit einer kleinen Kanone ausgestattet gewesen sein sollen und mit schweren Ketten aneinandergekettet wurden. Innerhalb dieser beweglichen Festungen waren die Bauern und Bürger vor der zahlenmäßig überaus starken kaiserlichen Reiterei geschützt. Dank einer Kombination von Stangenwaffen und Schleudergeschossen vermochten sie den Angriffen der Lehnsheere zu trotzen. In den früheren Schlachten verließ sich Zizka ganz auf die defensive Wirkung seiner Wagenburgen. Disziplin und eine umfangreiche Ausbildung ermöglichen es ihm bald, die Wagenburg auch beim Angriff zu verwenden, ähnlich wie es bei den Schweizern mit den Piken geschehen war. (Anm.: Die Offensivfähigkeit der Wagenburg ist umstritten. Sie wird zwar oft angeführt, aber es gibt kaum Belege dafür.)
Ziska ließ ein spezielles Korps von Fuhrleuten bilden, die die Wagen während des Kampfes aneinandergekettet kreisförmig, im Rechteck oder im Dreieck auf Befehle aufzustellen hatten. Das geschah vor den Augen eines Heeres, das sich infolge der Uneinigkeit im Feudalsystem als äußerst schwerfällig erwies. Von Anfang an benutzte Zizka Handfeuerwaffen. Fast ein Drittel der Soldaten auf den Wagen verfügte über Feuerwaffen. Die Wagenburg wurde von einem starken Artillerietross begleitet, der Kanonen zum Verschießen von Geschossen im Gewicht bis zu etwa viereinhalb Zentner mitführte. Die normale Gliederung der Hussitenheere auf dem Marsch bestand aus fünf parallelen Kolonnen mit der Reiterei und der Artillerie im Zentrum, flankiert auf jeder Seite von zwei Gruppen von Wagen, die von Fußknechten begleitet wurden. Die beiden inneren Wagengruppen waren kürzer als die äußeren und konnten auf Kommando rasch vor und hinter dem Heer eine rechtwinklige Verteidigungsstellung beziehen.

1) Ritter und Rüstungen, Terence Wise S. 34
2) Ritter und Rüstungen, Terence Wise S. 56 ff
3) Die Heere der Hussiten, Alexander Querengässer, S.12; Primärquellen: Tresp: Säldner aus Böhmen S. 27-28; Delbrück: Geschichte der Kriegskunst S. 556-557